Der Zugang zu Arbeit hängt stark davon ab, wo Geflüchtete wohnen. Gute Verkehrsanbindung, Sprachkurse, Bildungsangebote und lokale Arbeitsmarktlage sind entscheidend. Problematisch ist, dass diese Faktoren bei der Verteilung von Geflüchteten bislang kaum systematisch berücksichtigt werden.
Geflüchtete werden nach administrativen Quoten verteilt (Königsteiner Schlüssel), nicht nach Qualifikationen oder regionalem Arbeitskräftebedarf. Der SVR empfiehlt deshalb ein „Matching“-System: Menschen sollen stärker dort untergebracht werden, wo ihre Fähigkeiten zu lokalen Beschäftigungsmöglichkeiten passen. Das soll langfristige Integration erleichtern und Kommunen entlasten.
Anerkannte Schutzberechtigte dürfen oft mehrere Jahre ihren Wohnort nicht frei wählen. Laut Gutachten behindert das besonders in strukturschwachen Regionen die Suche nach passenden Jobs oder Qualifizierungsangeboten. Der SVR empfiehlt, diese Regeln deutlich zu lockern oder nur noch gezielt zur Entlastung einzelner Kommunen einzusetzen. Auch hohe Mieten und Wohnungsmangel erschweren die Mobilität und somit die Arbeitsmarktintegration. Viele Geflüchtete bleiben deshalb in günstigen, oft sozial benachteiligten Quartieren, selbst wenn anderswo bessere Beschäftigungsmöglichkeiten bestehen. Dadurch gelingt häufig nur der Einstieg in einfache oder niedrig bezahlte Tätigkeiten; qualifikationsgerechte Beschäftigung wird erschwert.
Hürden bei der Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten liegen nicht primär an mangelnder Arbeitsbereitschaft, sondern häufig an strukturellen Bedingungen. Dies betrifft vor allem den Wohnungsmarkt, die Wohnortzuweisung und fehlende regionale Passung zwischen Qualifikationen und Arbeitsmarktbedarf. Der SVR fordert deshalb eine stärker integrationsorientierte Verteilungspolitik und mehr Mobilität für Geflüchtete.
Das ganze Gutachten finden Sie hier.
