Die Arbeitsmarktsituation ukrainischer Geflüchteter in Deutschland hat sich in den letzten Jahren zunehmend verbessert, jedoch gibt es weiterhin zahlreiche Herausforderungen, die ihre Integration in den Arbeitsmarkt erschweren. Die Erwerbstätigenquote liegt mehr als 22 Monate nach Ankunft bei circa 31 % (Zahlen aus der zweiten Jahreshälfte von 2023). Ein hoher Anteil der Geflüchteten, nämlich etwa 94 %, zeigt Interesse an einer Erwerbstätigkeit, was das Potenzial auf dem Arbeitsmarkt verdeutlicht. Allerdings arbeiten viele Ukrainer*innen unter ihrem Qualifikationsniveau, beispielsweise in der Reinigung, Gastronomie oder als Hilfskräfte im Sozial- und Gesundheitswesen.
Ein zentraler Faktor für die Integration in den Arbeitsmarkt ist die Sprachkompetenz. Über 70 % der ukrainischen Geflüchteten haben einen Integrationskurs absolviert, und etwa 52 % derjenigen, die arbeiten möchten, beurteilen ihre Deutschkenntnisse als „ausreichend“. Sprachbarrieren bleiben dennoch ein Hindernis, das vor allem dann spürbar wird, wenn es um höherwertige und qualifizierte Arbeitsplätze geht. Die geringe Verfügbarkeit von flexiblen, berufsspezifischen Sprachkursen, die mit den familiären und beruflichen Anforderungen der Geflüchteten kompatibel sind, erschwert die Integration zusätzlich.
Ein weiteres großes Problem stellt die Anerkennung ausländischer Abschlüsse dar. Während viele ukrainische Geflüchtete eine hohe formale Qualifikation und Berufserfahrung mitbringen, haben nur knapp ein Fünftel einen Antrag auf Anerkennung des Abschlusses gestellt.
Ein besonders entscheidender Faktor, der die Arbeitsmarktintegration beeinflusst, sind die Betreuungsangebote für Kinder, vor allem für Frauen. Die Kinderbetreuung ist für viele ukrainische Frauen, die als geflüchtete Mütter oft den Großteil der Erziehungsarbeit übernehmen, eine der größten Hürden, um eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen.
Zudem sind viele Geflüchtete auf informelle Netzwerke angewiesen, um Arbeit zu finden, da staatliche Vermittlungsstellen in der Praxis oft weniger effektiv sind. Circa 50 % der Geflüchteten fanden ihre Jobs über persönliche Kontakte.
Ein Vergleich von geflüchteten Männern und Frauen
Die Arbeitsmarktintegration von ukrainischen Geflüchteten in Deutschland zeigt deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede. Männer sind häufiger erwerbstätig als Frauen: Während etwa 40 % der Männer arbeiten, liegt der Anteil erwerbstätiger Frauen bei nur 20 %. Frauen arbeiten zudem überwiegend in Teilzeit und häufig in niedrigqualifizierten Berufen wie in der Pflege, Reinigung oder als Hilfskräfte, obwohl viele von ihnen gut qualifiziert sind. Männer hingegen sind öfter in Vollzeitjobs und qualifikationsgerechten Berufen tätig. Ein wichtiger Grund für diese Ungleichheit sind die fehlenden Kinderbetreuungsangebote, die vor allem für alleinerziehende Mütter eine erhebliche Hürde darstellen. Die Betreuungsquote von ukrainischen Kindern im Alter von 3 bis 6 Jahren liegt 2023 bei 76 %, der deutsche Durchschnitt liegt bei 91 %.
Die gesamte Studie ist hier.
