Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels sind Menschen mit Fluchthintergrund auch im Bereich des Handwerks wichtige Arbeitskräfte. Trotzdem werden Azubis mit Fluchthintergrund immer wieder abgeschoben oder eine Abschiebung droht. Dies ist sowohl für die Betriebe und ihre Planungssicherheit als auch für die Geflüchteten selbst fatal.
Anne Lother, die das Beratungsnetzwerk "Alle an Bord" koordiniert, spricht von einer "Parallelität" zweier sich widersprechender Entwicklungen: "Einerseits gibt es einen akuten Fachkräftemangel und den Willen der Landesregierung, diesem Mangel auch mit Geflüchteten zu begegnen", sagt sie. "Andererseits erleben wir, wie sich die strengere Flüchtlingspolitik des Bundes auch hierzulande auswirkt und die Ausländerbehörden ihren vorhandenen Ermessensspielraum nicht oder sehr unterschiedlich nutzen."
Julia Heyer arbeitet am Standort von "Alle an Bord" in Itzehoe und unterstützt Geflüchtete im Kreis Steinburg und Dithmarschen, eine Arbeit oder Ausbildung zu finden. "Ich würde mir sehr wünschen, dass es mehr Sprachkurse und bestenfalls auch unterschiedliche Sprachkurse geben würde, in denen abgestimmt auf die jeweilige Arbeit unterrichtet werden könnte", sagt Heyer.
Heyer kam selbst vor 13 Jahren aus Usbekistan nach Deutschland. "Damals musste ich mir alles selbst zusammensuchen - das war sehr schwer", sagt sie. Als Beraterin unterstützt sie Geflüchtete nun von Anfang bis Ende, sucht mit ihnen also zum Beispiel nach Sprachkursen, kümmert sich gegebenenfalls um die Anerkennung von Zeugnissen und Abschlüssen, sucht nach Unternehmen, hilft bei Bewerbungen und geht sogar zu Gesprächen mit. Insgesamt 200 Menschen begleitete die Initiative im vergangenen Jahr allein am Standort in Itzehoe.
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